Tab Talks

💻 Schriftstellerische Arbeit findet heute am Computer statt…
Texte werden zu großen Teilen am Computer geschrieben und gelesen. Praktisch jeder Text, der uns heute – in welcher Form auch immer – begegnet, ist an irgendeinem Punkt durch digitale Prozesse gegangen, wurde in Schreibprogrammen bearbeitet, prozessiert oder in Layout-Programmen gestaltet. Unsere teilautomatisierte Welt ist unmittelbar und mittelbar durchtränkt von digitalen Medien – wir leben in einer postdigitalen Gegenwart. Die schiere Masse an Text, die in ihr täglich rezipiert werden kann, wird aber durch eine verhältnismäßig geringe Auswahl an Software produziert, die wiederum von verhältnismäßig wenig Menschen in einer Hand voll Firmen gestaltet wird. Dabei sind an die Programme, die wir täglich zur Produktion und Rezeption von Text nutzen, Vorannahmen geknüpft, was Text formal und inhaltlich ist und wie zu schreibende Texte aussehen könnten oder sollten. Das betrifft in besonderem Maße literarische Texte.
Tab Talks beschäftigt sich mit dem Einfluss digitaler Tools auf den schriftstellerischen Arbeitsprozess. Dazu werden Schriftsteller*innen eingeladen, in einer Mischung aus Atelierbesuch und Werkstattgespräch den Bildschirm ihrer Arbeitsrechner zu teilen und so Einblicke in die von ihnen benutzte Software, in Workflows und Dateiorganisationen zu geben – und über die Recherche von Stoffen in noch offen gelassenen Browser-Tabs zu erzählen.
Jede Veranstaltung wird durch Live-Beobachtungen auf Instagram begleitet, die im Anschluss als Zine veröffentlich werden.
#10 with Lillian-Yvonne Bertram
Writers today mostly work on computers. Laptops and smartphones have replaced notebooks and writing pads. But computers are much more than typewriters. They are spaces for exchange, leisure, and play. They are also archives where images, videos, and texts accumulate — later serving as inspiration or material for writing. At the same time, computers are spaces for the private and for the self-presentation of authors and their work.
In the event series Tab Talks, authors offer insights into these writing environments. In a mix of workshop conversation and studio visit, they show programs and folders — and also talk about the open tabs in their browsers.
For Tab Talks #10, African-American author Lilian-Yvonne Bertram shares their screen. Bertram is one of the central figures in contemporary digital literature. They write and let write, code, teach and canonise. Their programming practice is DIY and self-taught. This results in a critical perspective on technological change and ideologies of neutrality or standards. They use literature and digital tools to reflect on AI, race, and gender. Currently, they are working on a memoir using a more traditional workflow. What similarities and differences occur writing in different genres and how ideas transform into text and code, they will discuss with Andreas Bülhoff.
Tab Talks is moderated by Andreas Bülhoff. Son Lewandowski provides live commentary via Instagram.
Schriftsteller*innen arbeiten heute vor allem am Computer. Laptops und Smartphones haben Notizbücher und Schreibhefte ersetzt. Doch Computer sind viel mehr als Schreibmaschinen. Sie sind Orte des Austauschs, der Freizeit und des Spiels. Sie sind auch Archive, in denen sich Bilder, Videos und Texte ansammeln, die später als Inspiration oder Material für das Schreiben genutzt werden. Computer sind zugleich Orte für das Private und für die Inszenierung von Autor*innen und ihrer Arbeit.
In der Veranstaltungsreihe Tab Talks geben Autor*innen Einblicke in diese Schreibumgebungen. In einer Mischung aus Werkstattgespräch und Atelierbesuch zeigen sie Programme und Ordner. Sie sprechen auch über offen gelassene Tabs in ihren Browsern.
Für Tab Talks #10 teilt die afroamerikanische Autor*in Lilian-Yvonne Bertram ihren Screen. Bertram ist eine der zentralen Figuren gegenwärtiger digitaler Literatur. They schreibt und lässt schreiben, coded, unterrichtet und kanonisiert. Bertrams Programmierpraxis ist DIY und autodidaktisch. Daraus entsteht ein kritischer Blick auf technologischen Wandel und Ideologien des Neutralen oder des Standards. They nutzt Literatur und digitale Tools, um über AI, Race und Gender nachzudenken. Derzeit arbeitet they mit einem eher klassischen Workflow an einem Memoir. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es bei diesen Arbeitsweisen gibt und wie sich Ideen in Text und Code wandeln, darüber spricht they mit Andreas Bülhoff.
Tab Talks wird moderiert von Andreas Bülhoff. Son Lewandowski kommentiert live via Instagram.
#9 mit Svea Mausolf
Für Tab Talks #9 teilt die Autorin und Künstlerin Svea Mausolf ihren Bildschirm. Mausolf betreibt mit @sveamaus einen der größten deutschprachigen Meme-Accounts auf Instagram. Zweimal die Woche postet sie Text-Bild-Kombinationen, die es auf einzigartige Weise schaffen, zugleich lustig und traurig, verurteilend und liebevoll zu sein. Zwischen Fliesentischen, Sofalandschaften und Schrankwänden aus Birkenfunier arbeitet sie am kulturellen Gedächtnis der BRD.
Wie Bilder und Texte zusammenkommen, Leidkultur zu Leitkultur wird und wie all das mit ihrer Arbeit als Schriftstellerin zusammenhängt, darüber spricht sie mit Andreas Bülhoff im Stream auf der Digitalen Burg.
#8 mit I. V. Nuss
Für Tab Talks #8 teilt I.V. Nuss ihren Bildschirm. Nuss ist eine Meisterin im spekulativen Erzählen digital getränkter Bild- und Lebenswelten. Sie entwirft Autor*innenschaften wie sie Figuren aus irgendeinem Ordner tief, tief gefüllt mit Memes und Screencaps zieht. Welche Formen Material bei ihrem Schreibprozess annimmt und wie all das zurück in den linearen Text kommt, darüber spricht sie mit Andreas Bülhoff.
#7 mit Hanna Engelmeier
#6 mit Hannes Bajohr
Tab Talks zine #6:
Für Tab Talks #6 teilt der Autor, Literaturwissenschaftler und Philosoph Hannes Bajohr seinen Screen. Bajohr ist eine zentrale Figur der gegenwärtigen digitalen Literatur und verbindet wie kein zweiter theoretische und künstlerische Textproduktion mit neuesten Methoden digitaler Technologien. Wie ein Schreiben zwischen Computercode und Zettelkasten, zwischen neuronalem Netz und Textverarbeitungsprogramm aussieht, zeigt er im Gespräch mit Andreas Bülhoff.
#5 mit Heike Geißler
Tab Talks zine #5:
PDF PRINTFür Tab Talks #5 teilt die Autorin Heike Geißler live von der Leipziger Buchmesse ihren Screen. Geißler reflektiert in ihren Texten ebenso analytisch wie poetisch schriftstellerische Arbeitsbedingungen und entwirft literarische Texte als Träger gesellschaftspolitischer Utopien. Mit Hauskünstler Andreas Bülhoff spricht sie darüber wie das mit den Voreinstellungen der Textverarbeitungsprogramme auf ihrem Computer zusammenhängt und was sich aus poetischer Sicht ändern muss.
#4 mit Elisa Aseva
Tab Talks zine #4:
PDF PRINTFür Tab Talks #4 teilt die Autorin Elisa Aseva ihren Screen. Aseva schreibt vor allem auf dem Smartphone und ist eine der virtuosesten literarischen Stimmen auf Social Media. Über Facebook als Schreibumgebung, Begrenzungen und Motivationen von Schreib-Apps und Smartphone-Daumen spricht sie mit Hauskünstler Andreas Bülhoff.
#3 mit Clemens Setz
#2 mit Mara Genschel
Tab Talks zine #2:
PDF PRINTFür Tab Talks #2 teilt die Autorin und Performerin Mara Genschel ihren Screen. Sie ist bekannt für ihr permanentes Unterlaufen literarischer Konventionen und ihre ortsspezifischen Textrealisationen. Doch auch die unkonventionellste Poesie muss irgendwann durch den Texteditor. Im Stream zeigt sie, was das für die Produktion ihrer »angewandten Konzeptualismen« bedeutet.
#1 mit Kathrin Passig
🗣 Interview
Interview von Olga Felker mit Andreas Bülhoff zur Reihe Tab Talks im Rahmen des Podcasts behind the screens | behind the scenes für das Medienwerk NRW. Podcast📖 Computational Work Flow Zine